052 | Jesus wird seiner Kleider beraubt

Jesus wird im wahrsten Sinne des Wortes bloß gestellt. Eine Situation, die sich heutzutage online wie offline ähnlich zuträgt und zum Nachdenken über Menschenwürde anregt.
Jesus wird entwürdigt. Man reißt ihm die Kleider vom Leib. Nur mit dem, was sie selbst noch verwenden wollen, gehen die Soldaten sorgsam um, aber nicht mit ihm. Nicht mit dem Menschen. Sie machen sich sogar noch über ihn lustig, bereiten ihm mit Galle gemischten Wein zu. Jesus ist das egal. Er lässt es über sich ergehen. Sein Blick ist abwesend: „Macht doch, was ihr wollt...“
Macht doch, was ihr wollt. Ich hab‘ grade ganz andere Sorgen, da spielen materielle Dinge doch gar keine Rolle. Meint ihr es überhaupt ernst mit mir oder nur mit
meinem Geld? Und wenn schon, Gesundheit, Glück, Liebe, all diese Dinge kann ich mit keinem Geld der Welt kaufen. Als Mensch gesehen zu werden, so wie man ist, und deswegen mit Würde behandelt zu werden, ist unbezahlbar.
Wie unbekümmert machen sich Menschen in den ,sozialen Netzwerken‘ über andere lustig, urteilen über sie, entwürdigen sie mit Hasskommentaren... Es geht dort oft verletzend zu. Aber bin ich da nicht auch in der analogen Welt ganz schnell dabei? Wenn ich über andere herziehe, wenn ich ihnen mein Mitgefühl verweigere, wenn ich sie in Schubladen stecke...
Herr Jesus Christus,
du weißt, was es heißt entwürdigt zu werden.
Steh mir bei, wenn man mich bloßstellt.
Hilf mir die Würde jedes einzelnen Menschen zu sehen, und ihn dementsprechend gut zu behandeln
in der analogen wie in der digitalen Welt.
Amen.
Das ist ja spannend...
Der Bildhauer Philipp Dorsch
Bei der Renovierung des Zeiler Käppeles fand man ein Zeitdokument aus dem Jahr 1884. Es ist das älteste und einzige bekannte Schriftstück, das die Errichtung der Kreuzwegstationen durch die beiden Bild- und Steinhauer Philipp Dorsch und Kaspar Schöpf dokumentiert.
Der Originaltext lautet: „In den [18]70er Jahren wurde von Gutthätern ein neuer Kreuzweg errichtet, welcher durch dem Bildhauer Ph. Dorsch von Bamberger und dem Steinhauer Kaspar Schöpf von Zeil verferdigt wurde.“
Nach mündlicher Überlieferung schuf der Zeiler Kaspar Schöpf die Sockel und
Baldachine. Die überaus kunstvollen Reliefs der Stationen des Kreuzwegs stammen hingegen aus der Werkstatt des Bamberger Künstlers Philipp Dorsch. Dessen Signum „Ph. D.“ ist auf dem Relief dieser Station zu sehen.
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