052 | Jesus wird seiner Kleider beraubt

Jesus wird im wahrsten Sinne des Wortes bloß gestellt. Eine Situation, die sich heutzutage online wie offline ähnlich zuträgt und zum Nachdenken über Menschenwürde anregt.
Jesus wird entwürdigt. Man reißt ihm die Kleider vom Leib. Nur mit dem, was sie selbst noch verwenden wollen, gehen die Soldaten sorgsam um, aber nicht mit ihm. Nicht mit dem Menschen. Sie machen sich sogar noch über ihn lustig, bereiten ihm mit Galle gemischten Wein zu. Jesus ist das egal. Er lässt es über sich ergehen. Sein Blick ist abwesend: „Macht doch, was ihr wollt...“
Macht doch, was ihr wollt. Ich hab‘ grade ganz andere Sorgen, da spielen materielle Dinge doch gar keine Rolle. Meint ihr es überhaupt ernst mit mir oder nur mit
meinem Geld? Und wenn schon, Gesundheit, Glück, Liebe, all diese Dinge kann ich mit keinem Geld der Welt kaufen. Als Mensch gesehen zu werden, so wie man ist, und deswegen mit Würde behandelt zu werden, ist unbezahlbar.
Wie unbekümmert machen sich Menschen in den ,sozialen Netzwerken‘ über andere lustig, urteilen über sie, entwürdigen sie mit Hasskommentaren... Es geht dort oft verletzend zu. Aber bin ich da nicht auch in der analogen Welt ganz schnell dabei? Wenn ich über andere herziehe, wenn ich ihnen mein Mitgefühl verweigere, wenn ich sie in Schubladen stecke...
Herr Jesus Christus,
du weißt, was es heißt entwürdigt zu werden.
Steh mir bei, wenn man mich bloßstellt.
Hilf mir die Würde jedes einzelnen Menschen zu sehen, und ihn dementsprechend gut zu behandeln
in der analogen wie in der digitalen Welt.
Amen.
Das ist ja spannend...
„In den [18]70er Jahren wurde von Gutthätern[!] ein neuer Kreuzweg errichtet, welcher durch dem[!] Bildhauer Ph. Dorsch von Bamberger und dem[!] Steinhauer Kaspar Schöpf von Zeil verferdigt[!] wurde.“ (1)
Einer mündlichen Überlieferung folgend, meißelte Kaspar Schöpf die Sockel und Baldachine der Stationen. Die überaus kunstvollen Reliefs stammen aus der damals noch jungen Werkstatt des Bamberger Bildhauergesellen und späteren akademischen Bildhauers Philipp Dorsch. Dessen Signum „Ph. D.“ ist auf dem Reliefbild der 10. Station in der unteren linken Ecke zu finden.
Der Bildhauer Philipp Kaspar Dorsch
Philipp Kaspar Dorsch erblickte am 26. April 1851 in Bamberg, Haus Nr. 23, das Licht der Welt. Seine Eltern waren der Schneidermeister Pankraz Dorsch und dessen Ehefrau Katharina, geborene Dresel. (2)
Nach Abschluss seiner schulischen Ausbildung ging er bei Bildhauer Adam Schäfer in Bamberg in die Lehre und gründete 1874 seine Bildhauerwerkstatt mit Kunstschreinerei. Am 6. November 1878 immatrikulierte sich Dorsch in der Bildhauerschule der Münchner Akademie der Bildenden Künste.
Im Verlauf seines Lebens schuf der akademische Bildhauermeister mit seiner Werkstatt eine Vielzahl von herausragenden Kunstwerken, wie die Kopien der westlichen Fensterrosette der Klosterkirche in Ebrach und des Stadtritters am Alten Rathaus in Bamberg. Zu den religiösenMonumenten zählen unter anderem Kreuzwege: Die künstlerischen Steinarbeiten für diesen Kreuzweg, die ausdrucksvollen Hochreliefs von sechs der „Sieben Fälle“ in Ebermannstadt (1881/82, 1. „Fall“ von Adam Christ, Bamberg). Kreuzwegstationen wurden auch „Fälle” genannt, da die Gläubigen an den Stationen niederknieten – also ‚niederfielen‘. Zu seinem späten Großprojekt zählt der Kreuzweg zum Kreuzberg in Pottenstein. (3)
Aus der Kunstschreinerwerkstatt stammten Hauptaltar und rechter Seitenaltar des im Jahr 1897 errichteten Zeiler Käppeles.(4) 1954 wurden beide Altäre aus der Kirche entfernt. Im Rahmen der Renovierung 1997 fand der Aufbau des rechten wiedergefundenen Seitenaltars als Retabel des Hochaltars erneut einen Platz in der Kirche. (5)
Philipp Kaspar Dorsch verstarb 72-jährig am 4. Oktober 1923 in Nürnberg. (3)
Der Bild- und Steinhauer Johann Kaspar Schöpf
Über Kaspar Schöpf aus Zeil am Main liegen noch nicht viele biographischen Lebensdaten vor.
Die Aufschrift eines Grabsteins auf dem Kreuzfriedhof in Zeil am Main gibt seine Lebenszeit von 1844 – 1886 an. Kaspar Schöpf war mit Katharina verheiratet.
Von seiner Tätigkeit als Bildhauer in Zeil ist im Moment folgendes bekannt: Im Jahr 1871 wurde von ihm eine steinerne Gedächtnistafel für die Angehörigen der Gemeinde Steinbach, welche in den Jahren 1870/71 im Krieg gegen Frankreich als Soldaten des Bayerischen Heeres (den) Tod für König und Vaterland fanden, angefertigt. (6)
In einem Inserat im Haßfurter Amtsblatt vom 30. Januar 1876, bewirbt er seine Werkstatt mit der Empfehlung, dass bei ihm „Bilderstatues & Grabmonumente billigst zu beziehen“ sind. Er bezeichnet sich darin selbst als „Stein- und Bildhauer“. Zu dieser Zeit hatte er seinen Wohnsitz in Zeil, Haus Nr. 107 (Unterer Turm, heute Lange Gasse 14). (7)
Als handwerklicher Mitarbeiter am Kreuzweg unterzeichnete er das Zeitdokument vom 12. Juli 1884 mit „Casper[!] Schöpf Musiker und Steinhauer“ am Schluss, davor stehen Pfarrer Karl Link, Bürgermeister Franz Burger und weitere Beteiligte. (1)
Die Matrikeln der Stadtpfarrei Zeil a. Main liegen im Diözesan-Archiv in Würzburg und werden derzeit digitalisiert. Das Staatsarchiv Würzburg befindet sich momentan im Prozess der Verlagerung nach Kitzingen, damit auch mögliche Archivalien zu Kaspar Schöpf. Beide Maßnahmen erfolgen voraussichtlich bis Ende 2026. Nach Durchsicht der Dokumente wird dieser Text vervollständigt.
Quellen:
(1) Pfarrer Karl Link, Bürgermeister Franz Burger u.a., Zeitdokument im Knopf des Dachkreuzes des Käppeles, vom 12. Juli 1884, Diözesanarchiv Würzburg. Dr. Norbert Kandler, Archivrat i. K.: Transkription des 1995 restaurierten Originals, Archiv der Pfarrei St. Michael Zeil a. Main, Signatur K35 – 83.1,
(2) Archiv des Erzbistums Bamberg, Rep. 60, Pfarramt Bamberg St. Martin, M11/22, Taufen 1846 – 1863, S. 96. Das Geburtshaus hat heute die Adresse Habergasse 16 und ist ein Neubau von 1954 (Dipl.-Geogr. F. Stenger telefonisch).
(3) Akademie der Bildenden Künste München, 03622 Philipp Dorsch, Matrikelbuch 1841-1884. Dipl.-Geograph François Stenger, Bamberg, via E-Mails und Telefonate 2025 und 2026.
(4) Hamm Konrad, Geschichte der Bergkapelle von Zeil am Main, in: Hermann Mauer / u. a. / Stadt Zeil am Main (Hrsg.) (1975): Chronik der Stadt Zeil am Main, Band 2, S. 110
(5) Dieter Köpf, Die Neugestaltung der Bergkapelle zur 100 Jahrfeier 1997, in: Das Zeiler Käppele: ein Spaziergang durch seine Geschichte 1897 bis 1997, S. 78, Pfarrei Sankt Michael (Hrsg.) (1997)
(6) Roland Mayer, Gedächtnistafel im Steinbacher Friedhof, in: Nachrichtenblatt der Verwaltungsgemeinschaft Ebelsbach Nr. 7 v. 29.06.2024, S. 5.
(7) Alois Umlauf, in: Die Häuser der Zeiler Altstadt um 1850, S. 241/ Stadt Zeil am Main (Hrsg.) (2008)
Fotografie:
Philipp Dorsch um 1899. Aus: Das Kunstgewerbe. Adolf Ecksteins Verlag in Berlin W. Mohrenstr. 8. Publikation verschollen, lediglich das Foto hat sich im Stadtarchiv Bamberg (BS (B) + 483 Dorsch, Philipp – H001 B002), erhalten (Recherche: Dipl.-Geogr. F. Stenger). Urheberrechte/ Reproduktion: Stadtarchiv Bamberg 2026.
Herrn Dipl.-Geograph François Stenger, Bamberg, danke ich besonders für zahlreiche Hinweise, Informationen, Recherchen, Lektorat, Korrekturen und – Geduld.
Text: Raimund Erlwein Zeil am Main, Projektgruppe Zeiler Kreuzweg, 2026
https://actionbound.com/bound/erlebniskreuzweg-zeil
Mach den Kreuzweg zu einem echten Erlebnis
mit dem begleitenden Actionbound und
taucht ein in ein digitales Abendteuer!
Entdecke spannende Aufgaben und Fragen.
ab 3 Jahren



